Dienstag, 23. August 2016

Jonas Jonasson: Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind

- skurril, skurriler, am skurrilsten!


Sprecher: Jürgen von der Lippe
Spieldauer: 9 Stunden und 24 Minuten
ungekürztes Hörbuch

Inhalt
Der Hotel-Rezeptionist Per Persson trägt schwer an seinem Familienerbe. Obwohl sein Großvater einst mit Pferden viel Geld gemacht hat, verkannte er jedoch die Bedeutung der Traktoren und ging pleite. Von seinem Vater wurden er und seine Mutter, die nach Island ausgewandert ist, verlassen, so dass Per sich mehr recht als schlecht alleine durchs Leben schlägt. Das ändert sich schlagartig, als er die ebenfalls an ihrer Familiengeschichte gescheiterte Pfarrerin Johanna Kjellander kennenlernt. Von ihrem Vater aus Familientradition in den Beruf gedrängt, wird sie nach seinem Tod aufgrund ihrer atheistischen Gundeinstellung arbeitslos. Fehlt noch der titelgebende Protagonist, Johan Andersson, Mörder-Anders genannt, der aus der Haft entlassen, eine neue Aufgabe sucht. Gemeinsam mit der Pfarrerin und dem Rezeptionisten gründet er eine Körperverletzungsagentur, wobei er die Rolle des ausführenden Objekts innehat, während vor allem die Pfarrerin der Kopf der Gesellschaft ist.
Dummerweise bekehrt sie ungewollt den recht einfältigen Mörder zum Gottesglauben - Hallelujah und Hosianna!

Als Per und Johanna ihre Liebe füreinander entdecken, wollen sie den Mörder, der in seinem neuen Glauben keinen mehr verletzen möchte, loswerden und sich mit dem "verdienten" Geld absetzen. Dabei machen sie sich jedoch eine Menge Feinde in der Stockholmer Unterwelt und den Mörder werden sie auch nicht los. So kommt Johanna die bahnbrechende Idee die Anders-Kirche zu gründen, mit dem Leitspruch: Geben ist seliger denn nehmen!
Wobei das natürlich nicht für sie selbst gilt!

Bewertung
Faszinierend an Jonas Jonasson ist seine Fähigkeit, völlig absurde Szenarien zu entwickeln und die schrägsten Protagonisten zusammenzuführen. Das ist hier, wie auch in seinen beiden anderen Romanen, auf die Spitze getrieben. Eine Ex-Pfarrerin, die mit einem Mörder als Pfarrer eine Kirche gründet, mit Hilfe eines lebensverachtenden Rezeptionisten. Darauf muss man erstmal kommen.
Die Handlung ist skurril und kritisiert auf ironische Art und Weise StartUp-Ideen, denen es vor allem ums "Nehmen" geht. Auch die Versprechen sogenannter privater Kirchen werden aufs Korn genommen. So spielt in der Anders-Kirche das Blut Christi, neben den "Opfer-Eimern", eine tragende Rolle. Nebenbei beweist Jonasson seine Bibelfestigkeit (gefühlte 1000 Bibelzitate!).
Auf die Großzügigkeit der Menschen zu setzen, die gerne bereit sind, für Bedürftige zu spenden, scheint die beste Methode zu sein, wie man ohne ernsthaft zu arbeiten, zu Geld kommen kann.
Das lässt uns Jonasson zumindest glauben und prangert indirekt diejenigen an, die aus dieser Großzügigkeit - auch mithilfe der Sozialen Medien - Profit schlagen.
Allerdings sind die Protagonisten trotz ihrer Geldgier sympathisch gezeichnet, selbst der Mörder erscheint trotz seiner einstigen Brutalität, total harmlos.
Dieser Eindruck entsteht aufgrund der ironisch-distanzierten Erzählweise des Autors, dessen Humor staubtrocken ist. So verhallt die Kritik und die Komik tritt in den Vordergrund.

Ein Roman, bei dem man sich köstlich amüsieren kann, wobei der hervorragende Sprecher Jürgen von der Lippe dazu maßgeblich beiträgt. Die Hörbuchfassung ist dadurch sicherlich witziger als die Printversion.

Gute Unterhaltung - nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Kommentare:

  1. Liebe Tina,

    ich habe von Jonasson "Der Hundertjährige..." gelesen und habe mich bestens amüsiert. An einem Theater in Hannover wird gerade die Bühnenfassung als Open-Air-Aufführung gezeigt. Sehr ungewöhnlich, zumal sihc das Geschehen um das Publikum herum abspielt. In einem Hotel ist mir dann "Die Analphabetin, die rechnen konnte" in die Hände gefallen. Bei diesem Buch hatte ich schon den Eindruck, dass Jonasson quasi bei sich selbst abschreibt, weil ich mich zu stark an den Vorgänger erinnert gefühkt habe. Deshalb habe ich mir "Mörder Anders..." bislang verkniffen. Sollte das ein Irrtum sein?
    LG, Ina

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    1. Ich habe auch die beiden Vorgänger gelesen und die Tendenz ist wirklich fallend. Er wiederholt sich und ohne die großartige Lesung von Jürgen von der Lippe hätte ich es wahrscheinlich nicht zu Ende gehört. Nur als Hörbuch empfehlenswert, als gute Unterhaltung für zwischendurch;)

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