Sonntag, 23. Oktober 2016

Besuch auf der Frankfurter Buchmesse

- mit meiner lieben Bloggerfreundin Mira.

So viele neue Eindrücke, die die Buchmesse hinterlassen hat. So viele Bücher, die noch gelesen werden wollen, so viele Menschen, die lesen und sich immer noch für Literatur begeistern können.
Spannend war auf jeden Fall Mirella, mit der ich jetzt schon zwei Bücher gemeinsam gelesen habe, endlich auch persönlich zu treffen. Wenn auch die "Unterhaltungen" auf Whatchareadin oder den einzelnen Blogs einen komplikationslosen Austausch über Literatur ermöglichen, so schön ist es doch, die reale Person hinter dem Avatar kennen zu lernen. Und wenn es noch eine Begegnung ist, bei der - wie Mira es so schön ausgedrückt hat - die Chemie stimmt - um so wunderbarer.
Damit ihr auch lesen könnt, was Mirella geschrieben hat, geht es hier zu ihrem Beitrag.


Zunächst haben wir uns durch die Flut der Ausstellung treiben lassen und uns die Verlage angesehen, unter anderem den Haymon-Verlag und den kleinen, aber feinen Louisoder-Verlag.

Um 11:00 Uhr hatten wir das Vergnügen einem Gespräch mit Eugen Ruge über seinen neuen Roman "Follower" beiwohnen zu dürfen, eine Dystopie in einer künstlichen Welt, in der alles political correct abläuft und es nichts Negatives mehr geben darf - zumindest nicht auf sprachlicher Ebene. Die Idee des Romans, so erzählt Eugen Ruge, ist entstanden, als er nach der endlosen Installation einer Software träumte, er sitze in einem Flugsimulator und lande in einem virutellen Chicago, das er erst wieder verlassen dürfe, wenn er das Passwort, nämlich den Geruch von Birkenrinde benennen könne. Als er erwacht ist, hing vor seinem Fenster ein Birkenzweig - ein realer, über den er sich sehr gefreut habe. Zudem sei der Roman mit dem Vorgänger "In Zeiten des abnehmenden Lichts" verwoben.
Mira und mich hat er überzeugt, den Roman auf jeden Fall gemeinsam lesen zu wollen.

Danach haben wir uns treiben lassen und die großen Verlage aufgesucht, unter anderem den Diogenes-Verlag, für die ich in der letzten Zeit, den ein oder anderen Roman rezensieren durfte und der mir gleich zwei Highlights dieses Jahres beschert hat:
Benedict Wells, Das Ende der Einsamkeit und
J. Ryan Stradal: Die Geheimnisse der Küche des mittleren Westens.

Im Anschluss hatten wir das Vergnügen  Bodo Kirchhoffs, ein überaus charismatischen Schriftsteller, im Gespräch mit einer ebenso überzeugenden Moderatorin zu erleben. Gemeinsam stellten sie die Novelle vor, die dieses Jahr den Deutschen Buchpreis gewonnen hat: Widerfahrnis.
Zu dem am 31.Oktober auf Whatchareadin eine Leserunde starten wird, auf die ich mich jetzt umso mehr freue.

Sehr interessant sind die Ausführungen des Autors zu der Begründung, warum er eine Novelle geschrieben habe. Ihm sei klar geworden, dass seine Geschichte überwiegend eine horizontale Ebene habe, chronologisch erzählt sei und ein besonderes Ereignis den Protagonisten widerfährt - also die klassischen Merkmale einer traditionellen Novelle.
Er erklärt auch, was es mit dem Begriff Widerfahrnis, das aus dem theologischen Bereich stammt, auf sich hat: Ein Erlebnis, das einem Menschen ohne dessen Zutun widerfährt und ihn nachhaltig beeinflusst.
Ein kurzweiliges Gespräch, das Bodo Kirchhoff mit der Lesung der ersten Seite der Novelle krönt.


Ein weiterer Höhepunkt war die Lesung von Paul Maar, der ein schräges Märchen aus seinem neuesten Kinderbuch zum Besten gegeben hat: Schiefe Märchen und schräge Geschichten. Schön auch die Atmosphäre im Lesezelt im Außenbereich der Messe. Im Anschluss diskutierten Mirella und ich darüber, warum überwiegend die Erwachsenen über den feinen Humor der Geschichten gelacht haben. Verstehen Kinder sie noch nicht? Ist es eine andere Lebenswirklichkeit, die auch Jugendliche nicht mehr anspricht? Wir haben uns jedenfalls amüsiert!

Die Gastgeber - Flandern und die Niederlande - haben mich eher enttäuscht, es kann aber daran liegen, dass ich schon sehr müde war und die vielen Eindrücke nicht mehr verarbeiten konnte. Beim gemeinsamen Essen ist der Tag für uns beide ausgeklungen und ich freue mich schon auf ein nächstes Treffen - vielleicht auf der Leipziger Buchmesse!




Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Bericht, der den Leser teilhaben lässt an Deinem Erlebnis. Für mich sind die drei Milliarden Reize nichts, deshalb halte ich mich von Buchmessen fern. Aber die Berichte darüber finde ich spannend! ☺

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    1. Das mit den Reizen ist schon heftig, aber die Lesungen waren toll. Dafür lohnt es sich und natürlich, um digitale Freundschaften im realen Leben kennen zu lernen.

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  2. Super beschrieben, liebe Tina. Vielen Dank. Das Kompliment kann ich an dich gleich weiter geben. Ich werde erst morgen dazu kommen, meinen Bericht zu schreiben. Aber ich werde etwas von dir zitieren, speziell zu Rugen und Kirchhoff. Das hast du nämlich sehr treffend wiedergegeben. Von all den Verlagen hat der Diogenes richtig aufgedrumpft. Und die Niederlande, nein, wir waren nicht zu müde. Ich als eine erfahrene Buchmessebesucherin war das aus meiner Sicht der dürftige Gastbeitrag, den ich bisher erlebt habe. Aber ich liebe Holland sehr und meine Liebe zu dem Land wird trotzdem bleiben.
    So, den Rest hebe ich mir für meine Besprechung auf, aber du sollst noch wissen, dass ich dich heute sehr vermisst habe.
    Bis bald und liebe Grüße Mirella

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    1. Danke. Ich freue mich auf deinen Bericht und den nächsten Besuch!

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  3. Das mit den Reizen, liebe Anne P., da gebe ich dir recht. Das ist wirklich eine Informationdüberflutung. Auch ich versuche mich davor zu schützen, indem ich nit einem strikten Plan in der Tasche losziehe. Trotzdem ist man geschafft. Aber man wird für die vielen schönen Erfahrungen entschädigt. Und Tina hätte ich sonst nie kennengelernt.
    Gruß, Mirella

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  4. Danke für den tollen Bericht, liebe Tina. Ich beneide euch. Und Milliarden Reize hin oder her: Ich schaffe es auch noch mal.

    Liebe Grüße, Anne

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  5. Auf jeden Fall, Anne-Marit, das wird schon.

    Gruß, Mira

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  6. Auf jeden Fall, Anne-Marit, das wird schon.

    Gruß, Mira

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