Sonntag, 19. März 2017

Katarina Bivald: Ein Buchladen zum Verlieben

- ein Roman über Bücher, der unterhält, aber allzu vorhersehbar ist.

Taschenbuchausgabe, 447 Seiten
btb, 13.Juni 2016

Vielen Dank an das Bloggerportal, das mir den Roman zur Verfügung gestellt hat.


Inhalt
Die 28-jährige Sara aus Schweden reist 2011 im September in die USA, nach Iowa in ein verschlafenes, fast ausgestorbenes Nest namens Broken Wheel, um ihre Brieffreundin, die 65-jährige Amy zu besuchen, mit der sie seit 2 Jahren eine Brieffreundschaft verbindet.
Die Briefe von Amy an Sara, die zwischen innerhalb der Handlung eingestreut sind, handeln vorwiegend von Büchern, aber auch von den Bewohnern Broken Wheels. Nachdem Sara ihren Job in einem Buchladen in Stockholm verloren hat, lädt Amy sie ein und Sara ergreift die Chance einer Auszeit. Mit ihrer Heimat verbindet sie nur wenig, sie hat ein eher distanziertes Verhältnis zu ihren Eltern und ihrer Schwester und auch nur wenige Freunde - keine Beziehung. Sie scheint vorwiegend in Büchern zu leben und zieht diese den Menschen vor.
Als sie in Broken Wheel ankommt, gerät sie auf Amys Beerdigung und ist zunächst von der Situation überfordert.
Amys Freunde überreden sie in ihrem Haus zu bleiben und die zwei Monate trotzdem in der Stadt zu verbringen.
Sara entdeckt in Amys Schlafzimmer eine große Auswahl an Büchern.

"Amys Zimmer war eingerichtet wie die Bibliothek aus Saras Träumen. (...) An allen Wänden: Bücherregale. Der Nachttisch bestand aus einem Bücherstapel. Das oberste ein Fotoband mit Luftaufnahmen von Iowa, wies auf dem Umschlag die Abdrücke eines Glases auf." (S.69)

Nach längeren Überlegungen entschließt sie sich in Broken Wheel, wo offenkundig niemand am Lesen interessiert ist, im ehemaligen Laden von Amys Mann einen Buchladen mit Amys Büchern zu eröffnen. Sie glaubt, es sei im Sinne ihrer Freundin und wird von den Bewohnern unterstützt. Allen voran von dem armen George, der von seiner Frau und Tochter verlassen und zum Alkoholiker wurde, seit wenigen Monate aber trocken ist. Er wird Saras Chauffeur und hilft ihr, den Laden auf Vordermann zu bringen, den sie wie ein gemütliches Wohnzimmer einrichtet.
Die Besitzerin des gegenüberliegenden Diners, Grace, eine tatkräftige Frau, die Waffen liebt, steht ihr anfangs ebenso wie John, Besitzer des Lebensmittelgeschäftes und Amys bester Freund, eher kritisch gegenüber.
Amys Freundin, die disziplinierte Caroline dagegen unterstützt ihr Vorhaben. Sie ist in der Kirche aktiv, knapp über 40, ledig und sagt allen ungeschminkt, was sie denkt. Auch Andy und sein Freund Carl, die eine Kneipe führen, sind auf Saras Seite, ebenso wie die verheiratete Jen, die den Nachrichtenbrief der Stadt herausgibt, in dem normalerweise nichts Sensationelles zu lesen ist, bis zwei Jugendliche Sara eines Nachmittags durch das Schaufenster des Buchladens beim Lesen beobachten. Sie wagen das Experiment, die Zeit zu stoppen, wie lange sie ohne aufzublicken weiter liest. Es werden fast 6 Stunden.

"Im Laufe des Nachmittags wuchs die Gruppe vor dem Fenster immer weiter an. Als Jen und ihr Mann vorbeikamen, waren sie schon zu zehnt." (S.161)

Immer mehr Menschen versammeln sich, bis ein richtiges Straßenfest entsteht, das Broken Wheel vereint. Der folgende Nachrichtenbrief verbreitet sich auch in der Nachbarstadt, so dass am nächsten Wochenende viele Auswärtige den Buchladen besuchen. Da dürfen Broken Wheels Bewohner natürlich nicht zurückstehen und tun so, als ob sie eifrige Leser/innen seien  und sorgen damit für viele witzige Szenen.
So verändert Sara unbewusst das Leben der Stadt - bis ihr Touristenvisum ausläuft und alle eine naheliegende Lösung suchen, so dass sie bleiben kann, in der der gut aussehende Jungselle Tom ein nicht unerhebliche Rolle spielt....

Bewertung
Ich mag Bücher, die von Büchern und Buchhandlungen erzählen, außerdem skandinavische Literatur, gleich zwei Gründe nach dem vorliegenden Roman zu greifen. Meine Erwartungen wurden jedoch nur teilweise erfüllt. Von anderen Büchern wird recht viel erzählt, gleich eines der ersten Jugendbücher, die angesprochen werden, habe ich selbst als junges Mädchen mehrfach gelesen: Betty und ihre Schwestern. Auch vielen anderen Bekannten bin ich begegnet...
Gefallen hat mir die sympathische Protagonistin Sara, die das Leben der Bewohner Broken Wheels mit ihrem Buchladen und ihrer Einstellung, für jeden gebe es das richtige Buch, ins Wanken bringt.

"Er (Tom) dachte an Sara, an den Buchladen und den Basar (...) und an eine Hauptstraße, die wieder zu leben schien, als sein sie plötzlich immer in Sonne gebadet, an eine Stadt, die in wenigen Wochen von Schwarzweiß und leuchtendes Technicolor übergegangen war." (S.398)

Allein durch ihre unaufdringliche Anwesenheit und die Bücher, die sie an die Bewohner verteilt, bricht sie deren gewohnte Denkmuster und Verhaltensweisen auf.
An Vorurteilen und Problemen innerhalb der Stadt spart die Autorin dabei nicht: ein homosexuelles Pärchen, eine ältere, selbst disziplinierte Frau und ein bisexueller jüngerer Mann verlieben sich, ein trockener Alkoholiker kümmert sich um eine viel jüngere Alleinerziehenden, die sich ebenfalls in ihn verliebt und am Ende löst sich in Wohlgefallen auf. Das ist ein bisschen zu viel des Guten.

Und Sara selbst erlebt, dass das Leben mehr zu bieten hat, als nur Bücher zu lesen und findet ihre große Liebe.

Die Vorhersehbarkeit der Geschichte und das "typische" Happy End, in dem wirklich alle (!) Handlungsfäden ein glücklichen Ausgang finden, machen die ganze Story unglaubwürdig und unrealistisch, aber das will sie, glaube ich, nicht sein.
Sondern ein romantischer Unterhaltungsroman, eine Liebeserklärung an Bücher, aber auch an die Bewohner einer Kleinstadt im mittleren Westen der USA.
Ein Buch für zwischendurch - nett, aber nicht mehr.

1 Kommentar:

  1. Hallo, liebe Tina,
    ja, mir wäre das Buch auch ein wenig zu seicht, in dem alle Probleme mit einem Happy-End ausgehen. Aber zu Beginn deiner Beschreibung konnte ich mich ein wenig in Sara sehen, die Bücher vorzieht, und auf gesellschaftliche Aktivitäten weitestgehend verzichtet. Amys Tod kam mir ein wenig abrupt vor.
    Alles Liebe, Mira

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