Samstag, 3. Oktober 2015

Stefan Bachmann: Die Wedernoch

- die Fortsetzung von Die Seltsamen

Inhalt
Hettie, das 11. Kind, das ein Portal zur Feenwelt ist, wurde am Ende von Die Seltsamen vom Feenbutler in der Alten Welt festgehalten und konnte so nicht zu ihrem Bruder nach London zurückspringen, bevor sich das von ihr geöffnete Portal wieder geschlossen hatte.
Jetzt sitzt sie mit dem Feenbutler in der Alten Welt fest und möchte so gerne wieder zurück nach England. Nachdem der Feenbutler ein Feenwesen getötet hat, gelangen sie zu der Hütte im verschneiten Wald, die auch Bartholomew durch Hetties Portal gesehen hatte. In dieser Hütte werden der Feenbutler und Hettie von der Fee Piscaltine und ihrem Gefolge aufgestöbert, die Hettie mit in ihr sich ständig veränderndes Haus nimmt, als ein Wedernoch. Sie wünscht sich eine Freundin - dabei tyrannisiert sie Hettie und verhindert, dass diese ihr Haus wieder verlassen kann.

 Währenddessen rüstet England zum Krieg gegen die Feen, Barthalomow sucht dagegen immer noch nach Hettie, obwohl in der Neuen Welt bereits viele Jahre vergangen sind. Der Gassenjunge Pikey ist ihm dabei unverhofft eine Hilfe, da er ein Feenauge besitzt, d.h. er kann mit seinem Auge, das ihm einst von einem Feenwesen gestohlen wurde, in die Alte Welt blicken. Genau jenes Wesen wurde vom Feenbutler getötet und Hettie hatte sich dessen Anhänger genommen: das Auge des Jungen. Sokann Pikey Hettie sehen , wenn diese den Anhänger betrachtet.
Auf ihrer Suche nach einem Portal in die Alte Welt geraten die beiden Jungen zwischen die Fronten der englischen Soldaten und der Feen, die nach dem Willen des Schlauen Königs - dem Tyrannen in der Alten Welt England unterwerfen sollen. Der zweite und leider auch letzte Band dieser außergewöhnlichen Fantasiegeschichte endet in einem furiosen Finale.

Bewertung
Oftmals fällt die Fortsetzung eines überragenden Debüts wesentlich schwächer aus. Das kann man von Die Wedernoch nicht behaupten. Wie im ersten Band spinnt Stefan Bachmann eine Geschichte, die es vermag die Leser/innen in den Bann zu ziehen. Stand im 1.Band Bartholomew im Mittelpunkte des Geschehens, tritt jetzt v.a. Hetties Geschichte in der Alten Welt in den Vordergrund, neben der des Gassenjungen Pikey, der sich dann mit Bartholomew auf die Suche nach dessen Schwester macht. Mit dem Gassenjungen Pikey erfindet Bachmann eine Figur, die die Ängste vor den Feen transportiert und eine Kontrastfigur zu der glamorösen Welt bildet, der Arthur Jelliby angehört, der jedoch nur noch am Rande auftritt. Die Steampunk-Elemente verlieren gegenüber dem 1.Band nichts von ihrem Reiz, so sind die mechanischen fliegenden Käfer, die giftiges Gas transportieren, ein gruseliger Einfall, der unweigerlich an Giftgasbomber von heute denken lässt. Auch die eisernen, riesigen Globen, die Feengefängnisse lassen die Leser/innen erschaudern.
Es ist eine faszinierende Welt, die dieser junge Autor entwirft, ob er die Neue Welt - also England - beschreibt oder die Alte Welt - die Feenwelt vor unseren Augen entstehen lässt. Allerdings räumt er mit dem positiv besetzen Feenbild unserer Kindheit auf - den meisten Feen aus Die Wedernoch möchte man sicherlich nicht begegnen, sind sie doch blutrunstig, reißen Augen heraus oder ergreifen wie die Egelfeen Besitz von einem Körper.
Das Finale finde ich besonders gelungen. Es zeigt auch, wie sich Hettie von der verunsicherten Seltsamen zu der wunderschönen starken jungen Frau entwickelt, die die verzauberte Maske im Feenreich ihre gezeigt hat. Setzt man diese Maske auf, erblickt man im Spiegel die eigene Seele.
Ich hoffe, dass es noch viele Fantasyromane dieses jungen Autors zu lesen geben wird!

Buchdaten
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 24. September 2014
ISBN: 978-325706906 
Originaltitel: The Whatnot


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