Samstag, 11. Juni 2016

Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

- kein Fantasybuch.

Buchdaten
Gebundene Ausgabe, 351 Seiten

Karl Blessing Verlag, erschienen 2014

ISBN-13: 978-3453418455

Originaltitel: Mr. Penumbra´s 24-Hour-Bookstore

Vorne weg
Ich habe den Roman im Rahmen der Genreleserunde Fantasy auf whatchareadin gelesen, musste jedoch feststellen, dass es gar keine Fantasy ist, sondern nur als solche daherkommt. Der Protagonist gerät immer wieder in Situationen, in denen man als Fantasie erfahrene Leserin glaubt, gleich geschehe etwas Mystisches oder Magisches. Die Grenzen der Realität werden aber nicht überschritten, was die fantasiereiche Geschichte jedoch in keinster Weise schmälert.

Inhalt
Der arbeitslose, junge Designer Clay Jannon beginnt einen Aushilfsjob in der sonderbaren Buchhandlung des Mr. Penumbra, die wie eine hochkant gestellte Schuhschachtel aufgebaut und rund um die Uhr geöffnet ist. Der vordere Teil der Buchhandlung gleicht einer normalen, in der man jedoch nur Bücher erwerben kann, die dem Besitzer gefallen. Im hinteren Teil erstrecken sich die Regale über drei Stockwerke und die "Ladenhüter" sind nur über Leitern zu erreichen. In Clays Schicht - der Nachtschicht - tauchen in regelmäßigen Abständen wie Professoren aussehende ältere Herrschaften auf und leihen sich ein Buch aus diesem Teil. Leihen, den sie bringen immer wieder eines mit seltsamem Titel zurück und verlangen ein neues, das Clay mithilfe eines alten MacBooks findet. Seine Aufgabe ist es, in Logbüchern ihr Erscheinen - den Zeitpunkt und auch ihre Äußeres- zu notieren. Obwohl es ihm verboten ist, wirft Clay animiert durch einen guten Freund eines Tages einen Blick in eines dieser alten Bücher und findet statt sinnvollen Text nur Buchstabenreihen, die einen Art Code ergeben müssen. Mehr oder weniger aus Langeweile entwirft Clay ein 3D-Modell der Buchhandlung an seinem MacBook, fügt die Daten der Ausleihenden und auf Anregung der jungen Informatikerin Kat eine Zeitlinie hinzu und erkennt, dass die Ausleihenden in den Regalen ein bestimmtes Muster hinterlassen, so dass er voraussagen kann, aus welchem Regal der nächste ein Buch ausleihen wird.

Damit hat Clay das Rätsel des Gründers einer Geheimgesellschaft - Der ungebrochenen Buchrücken - gelöst, was Mr. Penumbra nicht verborgen bleibt. Ziel dieser Gesellschaft, so viel sei hier verraten, ist es, das Vermächtnis des mittelalterlichen Verlegers Aldus Manutius zu entschlüsseln. Seinen Codex Vitae, der wiederum verschlüsselt ist und dessen Schlüssel er nur seinem besten Freund Griffo Gerritzoon anvertraut hat, der ebenfalls ein reales Vorbild hat. Der Glaube der Gemeinschaft beruht darauf, dass Manutius in seinem Werk den Schlüssel zum ewigen Leben verbirgt. Mithilfe seines Freundes Neel und der bei Google arbeitenden Kat stellt sich der Clay der Herausforderung das Rätsel zu lösen, wobei sein Lieblingsschriftsteller Clark Moffat mit seinen Drachenlied-Chroniken (die scheinen erfunden zu sein) letztendlich eine entscheidende Rolle spielen wird.

Bewertung (Spolier!)
Der Roman ist sehr amüsant zu lesen und wartet immer wieder mit teilweise skurrilen Ideen auf. Für Bibliophilie ist der Seitenhieb auf die moderne Informationstechnik und die Tatsache, dass man auch mit unbegrenzter Rechnerkapazität nicht alle Rätsel lösen kann und Google nicht auf alle Fragen eine Antwort parat hat, natürlich Balsam. Dass die Lösung des Rätsel letztlich nur mithilfe eines Buches gelingt, passt ins Bild, dass dieser Roman eine Hommage an das alte Wissen und die Bücher selbst ist - wenn auch mit einem Augenzwinkern. Irgendwo habe ich gelesen, er sei eine Parodie auf einen Fantasyroman, das trifft es ganz gut.
Etwas enttäuschend ist hingegen die Botschaft - der Schlüssel des ewigen Leben selbst, der durchaus einen wichtigen Wert darstellt, letztlich aber auch "Old Knowledge" ist. Die Rede ist von der Freundschaft als Schlüssel zur Unsterblichkeit, da Gerritzoon als Freund das Wissen um Manutius Lebensgeschichte weitergetragen hat. Da hatte ich am Ende etwas mehr erwartet.

Trotzdem ein witziger, lesenswerter Roman.

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