Sonntag, 4. Dezember 2016

Anne Freytag: Mein bester letzter Sommer

- ein Hommage an das Leben und die Liebe.

Buchdaten
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Erschienen am: 8.März 2018
ISBN-13: 978-3453270121



Inhalt
Die 17jährige Tessa aus München führt scheinbar ein perfektes Leben: Sie ist wunderschön, eine sehr gute Schülerin, spielt Geige und Klavier, hat ein Stipendium für Oxford und beste Freundinnen.
Doch all das war einmal, denn sie wird sterben, Seit ihrer Geburt hat sie einen inoperablen Herzfehler und ihr fehlt die Lungenschlagader - von zahlreichen Operationen hat sie eine große Narbe behalten, aber eine Heilung oder eine Lebensverlängerung ist nicht mehr möglich. Die Ärzte geben ihr wenige Wochen, vielleicht ein paar Monate.
Und dabei hat Tessa immer von einem perfekten Leben geträumt, auf den perfekten ersten Kuss gewartet, den richtigen Jungen, die erste große Liebe - und jetzt ist es zu spät.
Deprimiert schließt sie sich in ihrem Zimmer ein und wartet auf den Tod. Sie ist wütend auf ihre Mutter, die die Wahrheit schon lange kennt und ihr nichts davon gesagt hat - wie kann eine Mutter ihrer Tochter auch sagen, dass sie sterben muss - eine sehr emotionale Szene, der Streit zwischen Tessa und ihrer Mutter. Auch von ihrer Schwester Larissa, mit der sie einst ein Herz und eine Seele gewesen ist, hat sie sich entfremdet. Larissa, die stets in ihrem Schatten gestanden hat, geht inzwischen ihren eigenen Weg und bemüht sich das Gegenteil einer perfekten Tochter zu leben.

Doch dann lernt Tessa Oskar kennen. Einen gut aussehenden Jungen, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt - und dass nicht nur wegen seiner Erscheinung. Er vermag sie zu verstehen, in ihren Kopf zu schauen und ihrem Denken zuzuhören.
Mit ihm möchte sie ihre letzte Zeit verbringen, er wird ihr Freund zum Sterben. Spontan beschließen die beiden eine Reise durch Italien anzutreten und es wird Tessas bester letzter Sommer mit wunderschönen Momenten und sehr emotionalen Szenen, die jedoch nie kitschig sind.
Der größte Teil des Romans wird aus der Ich-Perspektive Tessas erzählt, wir hören ihr beim Denken zu und erleben gemeinsam mit ihr die erste große Liebe mit all ihren überwältigenden Gefühlen.
Gegen Ende kommt auch Oskar zu Wort und er schildert aus seiner Sicht, wie es sich anfühlt, eine große Liebe gefunden zu haben, um sie sogleich wieder zu verlieren.


Bewertung
Vom Thema her eigentlich ein Roman, der sehr belastend ist. Ein junges Mädchen, das weiß, dass es sterben muss und dass seiner Meinung nach noch nicht wirklich gelebt und geliebt hat.
Dann trifft sie diesen Jungen, verliebt sich und sie weiß, es wird nur für kurze Zeit sein.
Trotzdem ist es kein Roman, der nur traurig stimmt, sondern auch zum Lachen einlädt und uns bewusst macht, wie kostbar unser Leben ist. Er erinnert an die unvergleichlichen Momente, die so oft vorüber ziehen, weil wir sie nicht bewusst wahrnehmen. Tessa genießt jeden Augenblick, weil sie weiß, dass es ihr letzter sein könnte. Das klingt jetzt ziemlich abgedroschen, aber der Autorin gelingt es, die Leser/innen auf Tessas Reise und in ihre Gedanken mitzunehmen. Man glaubt ihr diese großen Gefühle, über die wir, wenn wir ehrlich sind, als Erwachsene lächeln und sie nicht immer ernst nehmen. In diesem Roman jedoch ist diese Intensität stimmig, nichts wirkt kitschig oder sentimental.
Im Gegenteil, der Roman hat mich persönlich sehr berührt und ich muss zugeben, dass ich an der ein oder anderen Stelle weinen musste. Wenn Tessa den Aufsatz ihrer Schwester liest, oder sie sich von ihren Eltern verabschiedet....
Auch die Liebesszenen sind sehr einfühlsam erzählt, weder peinlich noch voyeuristisch.

Ein Roman, der mich an "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe" erinnert und den ich Jugendlichen und auch Erwachsenen empfehlen möchte, auch wenn er - wie der Titel es andeutet - nicht mit einem glücklichen Ende aufwarten kann, der aber trotz allem eine Hommage an das Leben ist.


Kommentare:

  1. Ach, wie schön, dass Dich das Buch auch so berühren konnte und letztlich wohl auch gefallen hat. Der Roman klingt irgendwie lange noch nach...

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    1. Ich bin so froh, dass du darüber geschrieben hast und ich inzwischen weiß, dass ich deinem Urteil vertrauen kann ;)
      Andetnfalls hätte ich ihn nicht gelesen.
      Und er hallt lange nach...

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