Samstag, 29. April 2017

Frances Hodgson Burnett: Der geheime Garten

- ein Kinderbuchklassiker über den Zauber der Natur.

Gebundene Ausgabe, 223 Seiten
Gerstenberg Verlag, 1987

Gemeinsam mit meiner 10-jährigen Tochter habe ich diesen Kinderbuchklassiker, der 1911 unter dem Titel "The secret Garden" veröffentlicht wurde, gelesen. Die Autorin ist vor allem bekannt geworden durch ihren Roman "Der kleine Lord", der alljährlich an Weihnachten die Herzen rührt.

Inhalt
Die Britin Mary Lennox lebt zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Indien. Während einer Choleraepedimie sterben ihre Eltern, die sich überhaupt nicht um sie gekümmert haben, und ihr Kindermädchen, das sie zwar behütet, aber nicht geliebt hat. So wird das verzogene und unsympathische Gör zu ihrem Onkel Archibald Craven gebracht, der auf dem Gut Misselthwaite in England lebt. Begleitet wird sie von Mrs Medlock, der Haushälterin, die Mary für ein unliebsames Mädchen hält. Mr Craven verhält sich ähnlich wie ihre Eltern, er ist fast nie zu Hause und überlässt sie der Obhut seiner Diener, insbesondere dem Hausmädchen Martha, die mit 11 Geschwistern aufgewachsen ist und einen Zugang zu dem verschlossenen Mädchen sucht.
Da es keine Spielsachen gibt, ist Mary gezwungen sich selbst zu beschäftigen und entdeckt den riesigen Garten. Dabei stößt sie auf ein Geheimnis. Der mürrische Gärtner Ben erzählt ihr von dem geheimen Garten, der seit 10 Jahren verschlossen ist und dessen Eingang niemand kennt.
Diesen Garten hat die einstige Hausherrin in ein blühendes Paradies verwandelt, seit ihrem Tod darf niemand ihn mehr betreten. Gemeinsam mit dem Rotkehlchen Robin gelingt es Mary den verborgenen Eingang zum Garten zu entdecken und mit Marthas erstaunlichem Bruder Dickon, der Tiere "verzaubern" und zähmen kann, gelingt es ihr, den Garten wieder zum Leben zu erwecken. Dabei verwandelt auch sie sich: Aus dem mürrischen, dürren und verschlossenen Mädchen wird ein blühendes und fröhliches, das sich mit Dickon anfreundet.
Doch Misselthwaite birgt noch ein anderes Geheimnis, denn Mary ist nicht das einzige Kind auf dem Gut. Als sie eines Nachts einem unheimlichen Weinen folgt, entdeckt sie den gleichaltrigen Colin, ihren Cousin, den Sohn Mr Cravens. Seine Mutter starb während seiner Geburt, ihren Tod hat sein Vater nicht verwunden, so dass auch dieser Junge ohne Liebe aufwächst. Zudem in der ständigen Angst, bald sterben zu müssen und einen Buckel zu bekommen. So ist er ans Bett gefesselt und kann nicht gehen. Doch Mary nimmt es mit dem verzogenen Jüngling auf und weiß mit ihm umzugehen, so dass auch er sich im geheimen Garten zu einem gesunden, fröhlichen und starken Kind verwandelt.

Bewertung
Eigentlich passiert nicht viel in diesem Kinderbuchklassikers - keine Action, keine Fabelwesen, wenige Figuren. Und doch ist es bezaubernd, wie aus den beiden verzogenen, egozentrischen und unausstehlichen jungen Menschen, liebenswerte Kinder werden. Weil sie zum ersten Mal Freundlichkeit, Zuneigung und auch Widerworte erfahren. Mary wächst an der Freundschaft mit Dickon, aber auch in ihrer Auseinandersetzung mit Colin, der wiederum jemanden gebraucht hat, der ihm widerspricht, ihm sein unmögliches Verhalten nicht durchgehen lässt, ihm aber auch mit Menschlichkeit und echter Zuneigung begegnet.
So wie der Garten im Frühling erblüht, so erblühen und entwickeln sich die Figuren. So wie der Garten 10 Jahre keine Zuwendung erfahren hat, so konnten auch die Kinder in der sie missachtenden Umgebung nicht gedeihen - Colin hat im Bett gelegen, weil er glaubte, er müsse bald sterben und sei Schuld daran, dass sein Vater ihn nicht lieben könne.

Im Roman ist oft vom Zauber des Gartens und von Dickon als Zauberer die Rede. Es ist die Kraft der Natur, die Freundlichkeit und Menschlichkeit, mit der Dickon den Kindern und auch den Tieren begegnet, die beide"heilt". Es sind die positiven Gedanken, der Glaube daran, dass es gut wird, die den Zauber bewirken, wie meine Tochter so treffend bemerkt hat. Der Glaube Colins an sich selbst, daran, dass er gehen lernen wird, an seine Kräfte.
Selbst die lange Beschreibung der einzelnen Pflanzen, der Art und Weise ihres Wachstum und die Fürsorge, die sie benötigen, hat uns nie gelangweilt. Im Gegenteil, es hat fast eine meditative Wirkung, wenn davon erzählt wird, wie es Mary gelingt, die zarten Triebe vom Unkraut zu befreien und ihnen Luft und Sonne zu schenken. Wir brauchen Wärme und Zuneigung zum Gedeihen und Wachsen, genau wie die Natur - die Pflanzen und Tiere.

Ein schönes "Märchen", das für Humanität und sorgsamen Umgang mit der Natur plädiert - mit Illustrationen, die die Entwicklung der Kinder und des Gartens wunderschön darstellen.

Kommentare:

  1. Mir hat das Buch seinerzeit auch gut gefallen. Es hat einen ganz eigenen Zauber.
    Liebe Grüße, Anne

    AntwortenLöschen
  2. Interessant. Ich kenne das Buch gar nicht, dafür aber den Film, der mir sehr gut gefallen hat.
    Liebe Grüße, Mira

    AntwortenLöschen