Montag, 3. April 2017

Jonathan Crown: Sirius

- ein heldenhafter Vierbeiner in einer unerträglichen Farce.

Taschenbuchausgabe, 309 Seiten
KiWi Taschenbuch, 8.April 2017

Inhalt
Der kleine Foxterrier Levi ist Mitglied der jüdischen Familie Liliencron, die in Berlin lebt. Wir schreiben das Jahr 1938, der Sohn Georg besucht das Gymnasium und hat mit der antisemitischen Haltung seiner Mitschüler zu kämpfen. Seine Schwester Else, eine begabte Klavierspielerin, hätte eigentlich eine vielversprechende Karriere vor sich.
Professor Liliencron, Familienoberhaupt, ist Wissenschaftler und eine Koryphäe in der Plankton-Forschung, Politik interessiert ihn ebenso wenig wie Levi. Und doch dämmert es ihm, dass der Hundename ihn offensichtlich als jüdisch ausgibt, so wird er kurzerhand nach dem Sternbild Großer Hund in Sirius umgetauft.
Der Foxterrier ist gewitzt und versteht alles, was die Menschen um ihn herum reden und bewegt. So realisiert er in der Reichspogromnacht, dass er die Familie in Sicherheit bringen muss, was ihm auch gelingt. Glücklicherweise sind sie gut befreundet mit Benno Fritsche, einem bekannten Schauspieler, der in die Partei eingetreten ist, um weiter auftreten zu können. Mit seiner Hilfe und der von Andreas - Elses Freund - gelingt ihnen die Flucht über die Schweiz nach Genua und von dort nach Los Angelos. Benno ist nämlich mit Peter Lorre bekannt, einem berühmten Schauspieler, der tatsächlich gelebt hat, ebenso wie James Warner (in Anlehnung an Warner Brothers), der den Liliencrons hilft. Carl wird Chauffeur eines abenteuerlustigen Schauspielers - John Clark, der wiederum entdeckt das Talent des pfiffigen Foxterriers. Es kommt,wie es kommen muss, und aus dem kleinen Vierbeiner wird der Fernsehstar Hercules, so dass die Familie ihrer finanziellen Sorgen entbunden ist. Andreas ist ebenfalls die Flucht gelungen und er heiratet Else, während Georg Medizin studieren kann. Alles scheint sich zum Positiven zu wenden, doch Sirius wird aus finanziellen Erwägungen einem großen Zirkus ausgeliehen, in dem er zunächst erfolgreich agiert, dann aber aufgrund eines Missgeschicks verwechselt wird und verloren geht. Auf abenteuerlichem Weg landet er wieder in Berlin. Ausgerechnet der Hauptsturmführer Erwin Wünsche findet ihn - ein strammer Nationalsozialist, der auch noch zum persönlichen Adjutanten des Führers befördert wird. Hansi, wie er inzwischen heißt, schließt sich dem Widerstand an, denn eine glückliche Fügung hat ihn zurück zu Benno Fritsche geführt. Der kluge Hund - inzwischen Hitler vorgestellt und zu dessen Liebling avanciert - soll den Führer auskundschaften. Die Geschichte hetzt im letzten Drittel durch die militärischen Niederlagen der Wehrmacht, reißt den Niedergang des 3.Reiches an und macht den Hund verantwortlich für den missglückten Attentatsversuch, worauf sich dieser bittere Vorwürfe macht. Den Rest habe ich - ehrlich gesagt - nur noch quer gelesen - Happy End inklusive.

Bewertung
Der Roman wird auf der Rückseite als "charmante, lustige Farce" beschrieben. Ich fand ihn einfach nur ärgerlich. In kurzen, sprachlich wenig anspruchsvollen Sätzen werden die Ereignisse aneinander gereiht - mit vielen Wiederholungen und zusammenfassenden Erklärungen. Und das aus wechselnden Perspektiven, in direkter und erlebter Rede - auch aus der Sicht des Hundes. Was teilweise schon ganz lustig sein könnte...
Spannender wäre die Ich-Perspektive "Hund", im Unverständnis dessen, was sich da abspielt. Denn natürlich ist Sirius weltgeschichtlich immer auf dem neuesten Stand und versteht alles - das ist Fiktion und erlaubt. Aber es ist nicht witzig - zumindest trifft es meinen Humor nicht.
Die Lebensphase der Familie Liliencron in Hollywood gleicht einer Aufzählung des Who is who der damaligen Zeit - der Autor hat seine Hausaufgaben gemacht und alle wichtigen Filmstars und Filme aufgezählt, die in jener Epoche entstanden sind. Das ist ganz amüsant, sorgt für den ein oder anderen Aha-Effekt...
Ärgerlich ist die Phase Sirius´ alias Hercules alias Hansi in Berlin zu lesen. Hätte der Autor doch die Geschichte verändert und eine fiktive Welt dargestellt, die zeigt, was gewesen wäre, wenn das Attentat auf Hitler geglückt wäre oder Hercules auf andere Art und Weise den Führer besiegt hätte.
So bleiben die bekannten geschichtlichen Ereignisse unangetastet und ich muss lesen, wie angetan der Führer von dem kleinen Hund ist, der zwar einer Spionagetätigkeit nachgeht, aber ansonsten Hitler gehorcht...was lerne ich daraus?? Immer brav mit dem Schwanz wedeln, dann überlebe ich den Krieg und die Bomben und alles ist gut?

Dass man den Holocaust und das 3.Reich in einer Tragikomödie darstellen kann, hat Roberto Benigni in seinem Film "Das Leben ist schön" bewiesen, diesem Roman gelingt weder Komik noch Tragik.

Keine Leseempfehlung!

1 Kommentar:

  1. Also, liebe Tina, ich finde, dass der Hund als eine Komikfigur? absolut nicht in so eine schwere und ernste Thematik passt. Den Film von Roberto Begnini kenne ich auch. Habe ich im Kino gesehen, vor vielen Jahren. Ich konnte mich allerdings mit diesem jüdischen Menschen, der alles so locker genommen hat, auch den Nationalsozialismus, das KZ, auch nicht wirklich anfreunden ...
    Ich finde deine Rezi wunderschön. Sehr kritisch. Ich habe auf WatchaReadin gesehen, dass das Buch von dir nur einen Stern erhalten hat. Selten, dass bei dir ein Buch so schlecht ausfällt. Verrisse gehören irgendwie ab und an auch mal dazu.
    Liebe Grüße, Mira

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