Freitag, 21. August 2015

Sue Monk Kidd: Die Erfindung der Flügel


Hörbuch
gelesen von Inka Friedrich und Bibiana Beglau
erschienen 2015 Hörbuch bei audible

















Inhalt
Der Roman schildert das Leben von Sarah Grimké, deren Schwester Angelina (Nina) sowie des Sklavenmädchens Hetty, genannt Handful und ihrer Moma Charlotte, der Näherin im Hause des Richters und Plantagenbesitzers Grimké.

Während sowohl Sarah und Angelina historische Figuren sind, ist die Geschichte Handfuls fiktiv, aber durchaus realistisch.
Der Roman wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Sarah und Handful erzählt, was im Hörbuch durch unterschiedliche Sprecherinnen überzeugend dargestellt wird, da die Stimme die jeweiligen Charaktere der beiden Frauen besonders gut deutlich macht.

Von 1805 bis Mitte des 19. Jahrhunderts erstreckt sich die erzählte Zeit des Romans und zeigt die Entwicklung der 11jährigen Sarah Grimké, die das Sklavenmädchen Hetty als persönliche Zofe geschenkt bekommt, worauf sie ihr die Freiheit schenken will, zur der selbstbewussten jungen Frau, die, nachdem sie einem Heiratsschwindler aufgesessen ist, sich in Philadelphia den Quäkern anschließt, von ihrer Heimatstadt Charleston verstoßen wird und schließlich gemeinsam mit ihrer Schwester Vorträge im Norden gegen die Sklaverei sowie für die Frauenrechte hält.

Als 11-Jährige lehrt Sarah Hetty das Lesen und wird, nachdem es entdeckt wird, mit Bücherentzug und Bibliotheksverbot belegt. Ihre Möglichkeiten, den Sklaven in ihrem Haus als Frau zu helfen, bleiben beschränkt, daher die Flucht in den Norden.
Zeit ihres Lebens sucht Sarah eine Lebensaufgabe. Will sie als junges Mädchen Recht studieren und Anwältin werden, was ihr, wie ihr von ihrem Vater und Brüdern deutlich gemacht wird, als Frau versagt bleibt, sucht sie zunächst im Quäkertum eine Zuflucht. Sie möchte Predigerin werden, die einzige Berufschance einer Frau, dafür opfert sie sogar eine mögliche Heirat mit Israel, der sie erst zum Quäkertum geführt hat. Mit ihren radikalen Ansichten zur Gleichberechtigung der Sklaven, bleibt ihr auch diese Chance verwehrt, bis sie gemeinsam mit ihrer Schwester Angelina, deren Patin sie ist und die sie von Kindesbeinen an mit ihren Ansichten vertraut gemacht hat, Vorträge im Norden gegen die Ungerechtigkeit der Sklaverei hält und auch für Frauenrechte eintritt, wofür beide berühmt werden. Endlich hat sie, die die Grausamkeit der Sklaverei in Charleston von Kind auf erfahren hat, ihre Berufung gefunden.

Mit der Auspeitschung der Sklavin Charlotte, Handfuls Mutter, hatte sie als junges Mädchen angesichts dieser Grausamkeit ihre Sprache kurzfristig verloren und Zeit ihres Lebens immer wieder gestottert. In den Vorträgen gelingt es ihr jedoch, sich Gehör zu verschaffen und in einem letzten Gespräch mit ihrer herrschsüchtigen Mutter, findet sie endlich die richtigen Worte. Mit Hetty verbindet sie während ihres ganzen Lebens eine Art Freundschaft, weshalb sie am Ende nach Hause zurückkehrt, nachdem ihr Handful von der geplanten Flucht geschrieben hat. Am Ende gelingt es ihr sogar, Hetty und ihrer Schwester die Freiheit zu ermöglichen.

Mit Hettys Stimme wird aus sehr persönlicher Sicht die Grausamkeit der Sklaverei in all ihren Facetten erlebbar. Oft möchte man nicht mehr zuhören, ob der furchtbaren Strafen, die den Sklaven für ihre angeblichen Verfehlungen zuteil werden. Handfuls Moma ist eine starke Frau und sie vermittelt ihrer Tochter, dass es wichtig ist, dass der Geist niemals dem weißen Besitzer gehören darf.
Charlotte freundet sich mit dem freien Sklaven Denmark Vesey an und wird erneut schwanger, bevor das Kind jedoch geboren wird, gelingt ihr bei einer Verhaftung die Flucht.
Lange Jahre hält Hetty sie für tot und trauert um sie. Als Trost näht sie die hinterlassenen Quiltvierecke Charlottes zusammen, die deren Leben erzählen und bewahrt ihn als Andenken auf. Das von Charlotte versteckte Geld kann sie jedoch nicht finden, so wird sie die neue Näherin der Familie Grimké. Sie schließt sich der Kirche für Schwarze an, deren Prediger Mr. Vesey ist und landet nach ihrer Verhaftung in der Kirche im Arbeitshaus. In der entsetzlichen Tretmühle verletzt sie ihren Fuß so, dass sie für den Rest ihres Lebens humpeln muss.
Ein geplanter Aufstand der Sklaven, an dem auch Handful beteiligt ist, wird verraten und sie ist die Einzige, die Denmarks Tod durch den Galgen beiwohnt, da sie seinem Gefangenentransport unerlaubterweise gefolgt ist.
Nach vielen Jahren taucht Charlotte wieder auf. Sie wurde nach ihrer Flucht von einem Sklavenfänger aufgegriffen und an eine Reisplantage verkauft. Mehrmals versuchte sie mit ihrer 2.Tochter Skye zu fliehen, dafür wurde sie gebrandmarkt, ihre Zähne wurden ausgeschlagen und sie wurde mit der Peitsche bestraft. Nichtsdestotrotz wollte sie mit aller Macht zurück zu Handful. Ihr verrät sie, wo sich das versteckte Geld befindet und nachdem sie ihren Storyquilt vervollständigt hat, stirbt sie.
Am Ende ersinnt Handful einen genialen Plan, um die Freiheit mithilfe des Geldes zu erlangen. Und gemeinsam mit Sarah scheint die Flucht zu gelingen, so dass wohl sie als freie Schwarze den Norden erreichen wird.

Bewertung
Ein unglaublich berührendes Buch, dass die Unmenschlichkeit und Grausamkeit der Sklaverei am Schicksal Charlottes, Handfuls und der anderen Grimké-Sklaven mit bilderreicher Sprache vor dem inneren Auge entstehen lässt. Mehr als einmal möchte man nicht weiter hören, weil das Geschilderte so furchtbar ist.
Die Einstellung der weißen Plantagenbesitzer und der High Society von Charlston ist aus heutiger Sicht kaum noch zu ertragen, aber auch die Rolle der Frau bzw. deren eingeschränkten Möglichkeiten zur Selbstbestimmung werden am Beispiel von Sarah gut verdeutlicht. Ihre Ohnmacht, ihr Stimmverlust angesichts der Grausamkeit der Sklaverei einerseits und ihrer fehlenden Selbstverwirklichung andererseits nimmt den Zuhörenden für sie ein. Ihr Mut, sich offen gegen die Sklaverei einzusetzen, ist auch heute noch bewundernswert, genauso wie Hettys Mut, sich mit dem Geist den Weißen stets zu widersetzen - auch wenn furchtbare Strafen drohen. Als Sarahs Schwester, die inzwischen das Haus verwaltet, den Story-Quilt Charlottes gesehen hat und der Verlust ihrer von Grausamkeiten durchzogenenen Geschichte droht, weigert sich Hetty weiterhin Sklavin zu sein und plant die Flucht. Die Wahrung der eigenen Identität ist ihr wichtiger als die möglichen Folgen ihres Wegs in die Freiheit.




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