Samstag, 29. August 2015

Tamara Bach: Was vom Sommer übrig bleibt

Genre: Jugendbuch

Inhalt
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive der 17-jährigen Louise und der 13-jährigen Jana erzählt, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie in den Sommerferien sich selbst überlassen sind.
Louises Eltern müssen sehr viel arbeiten, haben kaum Zeit für ihre Tochter und sind immer müde, Geld für einen Urlaub scheint auch nicht da zu sein. So jobbt Louise als Zeitungsausträgerin, Bäckereiaushilfe und versorgt den Hund ihrer Oma, um sich Geld für den Führerschein zu verdienen, den sie ebenfalls in den Ferien machen will.
Janas Bruder Tom liegt im Koma im Krankenhaus, er hat sich aus unerfindlichen Gründen von einer Brücke gestürzt. Die Eltern sind getrennt und die Mutter nimmt Jana überhaupt nicht mehr wahr, so dass sie zuhause immer wieder verschwindet und sich teilweise auf potentiell gefährliche Situationen einlässt. Dabei begegnen sich die beiden Mädchen und nach einigen zufälligen Treffen machen sie eine gemeinsame ungeplante Autofahrt (erinnert ein wenig an "tschick"), die aber nur einen Tag und eine Nacht dauert. Am Ende zeichnet sich ab, dass beide trotz des Altersunterschieds in Zukunft Freundinnen werden, da sie das "als ob" verbindet - die Freude an Fantasiewelten und die Vorstellung, was wäre wenn....


Sprache
Die Handlung des Jugendromans ist schnell erzählt und nicht besonders spektakulär, aber die Erzählweise und die verwendete Sprache sind außergewöhnlich.
So ist der Roman größtenteils im Bewusstseinsstrom verfasst, das klingt so, als ob man direkt die Gedanken der beiden Mädchen liest. Dazwischen taucht auch wörtliche Rede auf, aber immer aus der Ich-Perspektive. Man braucht dadurch auch eine Weile, um in den Roman hineinzukommen, v.a. der Wechsel von Louise und Jana ist anfangs etwas schwierig. Die eigentliche Geschichte, z.B. der Selbstmordversuch von Janas Bruder muss man aus den einzelnen Gedanken und Gesprächen rekonstruieren, was nicht immer leicht, andererseits aber auch reizvoll ist.
Auch interessante Wortneuschöfpungen tauchen auf: "Und die werden sagen, ja, die Jana war schon da, und Mama und Papa können da zu zweit sitzen und sich was erzählen lassen, wie welche Werte sind und wann und ob man vielleicht was wie bei Tom zusammenflickenrepaoperieren kann." (S.88)


Bewertung
Der Roman zeichnet ein subtiles Seelenbild zweier heranwachsender Mädchen mit ihren individuellen Problemen, ohne dass diese seitenweise ausgebreitet werden, sie sind eher zwischen den Gedanken versteckt. Beiden ist der Wunsch immanent, ein Gegenüber zu finden, der zuhört und sie als Individuum wahrnimmt.
Ich fand die Sprache bemerkenswert, da sie mit der konventionellen Erzählweise, wie so oft in Jugendromanen vorherrscht, bricht und mit dem Bewusstseinsstrom eine eindringliche Unmittelbarkeit erreicht.


Buchdaten
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Carlsen
Erschienen am: 22. Februar 2012
ISBN: 978-3551582423

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