Mittwoch, 19. August 2015

Jojo Moyes: Ein Bild von dir




Der Roman knüpft an die Erzählung „Tage in Paris“ an, spielt allerdings mehrere Jahre nach den Flitterwochen der beiden Paare.

Inhalt
Zunächst erzählt Sophie aus der Ich-Perspektive von der Besetzung ihres Heimatortes St. Péronne durch die Deutschen im 1.Weltkrieg. Während Édouard als Soldat eingezogen wurde, kehrte sie aus Paris zurück, um ihrer Schwester Hélène im Familienhotel Le Coq Rouge zu helfen. Ein Bildnis, das Éduoard von ihr gemalt hat, Jeune Femme hängt für jeden sichtbar im Hotel und erregt die Aufmerksamkeit des neuen Kommandanten Friedrich Hencken, einem Kunstliebhaber, da es eine selbstbewusste, stolze schöne junge Frau zeigt. Sophie, die die Deutschen und die unmenschlichen Umstände der Besatzung verabscheut und ihre Meinung dazu recht offen kund tut, wird gezwungen für die deutschen Soldaten zu kochen. Dabei wird deutlich, dass das restliche Dorf sie und ihre Schwester in die Nähe von Kollaborateuren stellt, so wie sie es mit einer jungen Frau Liliane Béthune tun, deren eigentliche Tätigkeit aber erst im Nachhinein offensichtlich wird. Der Kommandant findet Gefallen an Sophie und auch sie erkennt, dass hinter dem deutschen Soldaten ein gebildeter, Kunst interessierter Mensch steht. Das Schwarz-Weiß-Denken Gut-Böse wird in der Person des Kommandanten aufgehoben und verwirrt Sophie. Um ihren Mann wiederzusehen, ist sie bereit alles zu tun, selbst das Bild herzugeben und sie trifft ein Arrangement mit dem Kommandanten.
Ihre Verhaftung beendet den 1.Teil des Romans.

Der 2.Teil handelt von Liv, größtenteils aus der personalen Erzählperspektive im Präsens dargestellt. Der 2.Protagonist ist der ehemalige Polizist Paul aus New York, der einen Sohn hat und in Scheidung ebenfalls in London lebt. Die beiden lernen sich zufällig in einer Schwulenbar kennen und verlieben sich ineinander, wobei Liv sehr zögerlich einer neuen Verbindung gegenüber steht, da ihr geliebter David, der Star-Architekt, vor vier Jahren plötzlich verstorben ist. Dieser hat ihr auf einer 2.Hochzeitsreise, nachdem die 1. in Paris verunglückt ist, das Bild Jeunne Femme geschenkt. Er kaufte es einer Amerikanerin in Barcelona ab, die gerade die Wohnung ihrer Mutter, einer Kriegsreporterin ausräumen muss und nicht weiß, wohin mit den ganzen Sachen. Das Bild befindet sich seit 1945 im Besitz von Louanne Baker, die es nach Aussage der Tochter in Deutschland während einer Kriegsreportage geschenkt bekommen hat.
Die Besitzverhältnisse sind deshalb relevant, da Pauls derzeitiger Beruf darin besteht, gestohlene Kunstwerke vornehmlich aus dem 2.Weltkrieg aufzuspüren und den rechtmäßigen Besitzern wieder zu beschaffen.
Kurz bevor Paul zum ersten Mal in Livs Architektenwohnung, die von David entworfen wurde, übernachtet, trägt die Familie Lefèvre einen Zeitungsartikel an ihn heran, auf dem das Bild Jeunne Femme in eben jener Archtiektenwohnung zu sehen ist. Sie behaupten, das Bild sei im 1.Weltkrieg aus dem Le Coq Rouge gestohlen worden und verlangen es zurück. Nach Livs und Pauls erster gmeinsamer Nacht, sieht er das Bild in Livs Wohnung. Wie nicht anders zu erwarten, werden die beiden Gegner, da es um das Bild ein Gerichtsverfahren gibt. Liv, die sehr an dem Bild hängt, da sie sich mit der dargestellten Sophie identifiziert und es ein Verbindung zu David herstellt, möchte es unter keinen Umständen zurückgeben. So recherchieren beide die Hintergründe, wie das Bild schließlich in Livs und Davids Besitz gekommen ist. Während des Prozesses wechselt Paul allmählich die Seiten, da Liv Gefahr läuft alles zu verlieren, auch das Bild, und macht schließlich am letzten Prozesstag die entscheidende Zeugin ausfindig: Édith Béthune, die Tochter der Kollaboratorin Liliane, um die sich Sophie bis zu ihrer eigenen Verhaftung gekümmert hat und die danach in der Obhut von Hélène geblieben ist.
Fraglich bleibt, warum keiner der Anwälte davor, diese Überlebende der Familie Sophies ausfindig gemacht hat, da auch Philippe, der Sohn von Sophies Bruder im Altenheim befragt wurde, der zugibt, dass Sophie aufgrund des Verdachts kollaboriert zu haben, von der Familie totgeschwiegen wird.
Aufgrund von Édiths Aussage stellt sich heraus, dass Sophie den Krieg überlebt hat. Aus ihrer Perspektive wird die Ankunft in einem Strafgefangenenlager in Deutschland geschildert, in dem auch Édouard inhaftiert ist. Der Kommandant hat also Wort gehalten und ermöglicht beiden unter falschem Namen die Flucht in die Schweiz, in der sie bis Ende der 20er Jahre leben und Kontakt zu Hélène, ihrer Familie und Édith halten, ohne dass ihr Bruder, der sie als Kollaborateurin beschimpft hatte, etwas davon weiß. Hélène hat, nachdem sie vom Überleben Sophies erfahren hatte, Édith beauftragt, das Bild Jeunne Femme dem Kommandanten zu schenken. Mit Kreide vermerkt sie auf der Rückseite: Geschenkt, nicht genommen.
Genau diese Schrift verwischt die Frau des Kommandanten, als sie das Bild 1945 zu dem Ort bringt, an dem die geraubten Kunstwerke der Nazis lagern und das an diesem Tag zufällig Louanne Baker überwacht. Liesl schenkt ihr das Bild, da sie die Begeisterung ihres inzwischen verstorbenen Mannes dafür abgestoßen hat. Sie behauptet, dass Bild hat ihre Ehe zerstört.
So wurde das Bild niemals gestohlen, sondern immer verschenkt bzw. von David gekauft - für Liv bedeutet das, dass sie es behalten kann.
Nach Hélènes Tod verliert sich die Sophies und Édouards Spur und auch Édith weiß nicht, wohin sie gegangen sind. Der Roman endet damit, dass Liv Paul beauftragt, nach Bildern zu suchen, die Sophie als ältere Dame zeigen.

Bewertung
Ein schöner Liebesroman, wobei mich v.a. der 1.Teil, der die Besetzung eines kleinen Dorfes in Nordfrankreich realitätsnah schildert, überzeugt hat. Die Geschichte von Sophie und Édouard trägt und fesselt wesentlich mehr, als Livs Geschichte, deren Verhalten teilweise Unverständnis hervorruft. Geschickt werden diese Gedanken von der Autorin aufgenommen, da auch Liv im Roman selbst beschimpft wird, weil sie das Bild nicht zurückgeben will. Gut gelungen ist auch die Geschichte des Bildes selbst, faszinierend, welche Macht es über die jeweiligen Person erlangt und v.a. wie es die verschiedenen Figuren des Romans miteinander verbindet - obwohl es doch nur ein Gemälde ist.
Am Ende ist alles gut - so wie sich das für einen Liebesroman gehört.

Interessant ist, dass die Geschichte von Louanne Baker so ähnlich abgespielt hat und es den Maler Édouard Lefèvre tatsächlich gegeben hat.
Interview mit Jojo Moyes

Buchdaten 
Broschiert: 544 Seiten 
Verlag: rororo
Erschienen am: 23. Januar 2015 
ISBN: 978-3499269721 
Originaltitel: The Girl you left behind


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