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Donnerstag, 23. März 2017

Jojo Moyes: Im Schatten das Licht

- trivial, enttäuschend und vorhersehbar.

Taschenbuch, 576 Seiten
Rowohlt, 27.Januar 2017
Im Original bereits 2009 unter dem Titel "The Horse Dancer" erschienen.

Vielen Dank an Rowohlt für das Rezensionsexemplar, hier geht es zur Buchseite des Verlages.

Inhalt
Die 14-jährige Sarah lebt bei ihrem Großvater Henri in London, der sich gemeinsam mit ihrer Großmutter Florence, die inzwischen ebenso wie ihre Mutter verstorben ist, liebevoll um sie gekümmert haben, da ihre Mutter dazu nicht in der Lage gewesen ist.
Das Verhältnis zu ihrem Großvater ist geprägt von ihrer gemeinsamen Liebe zu den Pferden. Henri - einst Mitglied des Cadre Noir, einer militärische Eliteschule für die Pferdedressur, hat für seine große Liebe diese verlassen und ist Florence nach England gefolgt. Ein Schritt, der sein Leben entscheidend geprägt hat, eine Rückkehr war aufgrund der Erkrankung seiner Frau später nicht mehr möglich.
So überträgt er seinen großen Traum auf seine Enkeltochter, indem er ihr ein begabtes Pferd, Boo, kauft und die beiden fast täglich trainiert. Das Tier ist einem Stall in der Stadt untergebracht, eine Erfahrung, die Jojo Moyes selbst gemacht hat. Auch sie hat inmitten der Großstadt geritten.
Das entbehrungsreiche, aber geordnete Leben Sarahs gerät außer Kontrolle, als ihr Großvater einen Schlaganfall erleidet. Zufällig trifft sie auf die Anwältin Natasha, die auf "Kindeswohl" spezialisiert ist. Ihr Leben ist zurzeit ebenfalls außer Kontrolle, da ihr Exmann, von dem sie sich getrennt hat, nach einem Jahr plötzlich wieder im gemeinsamen Haus auftaucht, da er eine Bleibe braucht und die Dinge zwischen ihnen regeln will. Von Anfang an spürt man, dass beide sich lieben, jedoch nicht in der Lage sind, über ihren Schatten zu springen. Der charmante, gut aussehende Fotograph Mac scheint dazu eher bereit zu sein als die abweisende, kühl wirkende Natasha.
Spontan entschließt diese sich, als sie Sarahs Lage realisiert, das Mädchen aufzunehmen. Eine Farce beginnt, denn das Ex-Paar spielt plötzlich heile Familie, vor dem Jugendamt und auch vor Sarah, was diese zwangsläufig durchschauen muss und sich daher vor beiden verschließt.
Als sie im Pferdestall auch noch mit einem neuen, unfreundlichen Besitzer konfrontiert wird, der ihre Schulden auf besondere Weise erstattet haben möchte, flieht sie mit Boo und macht sich auf den Weg zum Cadre Noir, um ihren Traum zu verwirklichen.
Mac und Natasha folgen ihr und man braucht keine Prophetin zu sein, um vorherzusagen, dass sich am Ende nach vielen Irrungen und Wirrungen alles in Wohlgefallen auflösen wird.

Bewertung
Den ersten Roman, den ich von Jojo Moyes gelesen habe, war "Ein ganzes halbes Jahr", der mich aufgrund seiner ernsten Thematik - Unter welchen Umständen sollte ein Mensch seinen Tod selbst bestimmen dürfen? - lange beschäftigt hat. Die Liebesgeschichte hat mich berührt, auch wenn mir bewusst war, dass es sich letztlich vor allem sprachlich um Unterhaltungsliteratur handelt.
Die Fortsetzung fand ich weniger überzeugend. "Ein Bild von dir" und "Über uns der Himmel, unter uns das Meer" sind letztlich ebenfalls Liebesromane, deren ernsthafte und gut recherchierte Geschichte jedoch überzeugen können. Letztlich weiß ich, worauf ich mich bei Moyes einlasse. Eine Liebe, die vor unlösbaren Aufgaben zu stehen scheint, sich jedoch nach vielen Hürden, Umwegen und Hindernissen wieder findet. Das ist im vorliegenden Roman nicht anders. Im Gegensatz zu den genannten Vorgängern fehlt jedoch eine Erweiterung der Liebesgeschichte um ein ernsthaftes Thema oder einen interessanten zeitgeschichtlichen Einblick, wie die Verschiffung australischer Bräute nach England in "Über uns der Himmel, unter uns das Meer" oder die Besetzung Frankreichs im 2.Weltkrieg in "Ein Bild von dir". Die Einblicke in die renommierte Pferdeakademie Cadre Noir sind zwar ebenso interessant wie die autobiografische Dimension oder die Entwicklungsgeschichte Sarahs, sie tragen die Geschichte aber nicht über einen trivialen Liebesroman hinaus.
Ich persönlich bin enttäuscht, da weder die Figuren überzeugen noch das Ende mit all seinen "künstlichen" Hindernisse, wobei man die ganze Zeit genau weiß, dass am Ende alles gut wird. Die Geschichte ist extrem vorhersehbar und zumindest das war bei den Vorgängerromanen nicht so offensichtlich der Fall, schade - definitiv mein letzter Moyes-Roman!

Mittwoch, 22. Juni 2016

Jojo Moyes: Nachts an der Seine

- eine unterhaltsame, kurze Liebesgeschichte.


Hörbuch
gesprochen von: Luise Helm
Spieldauer: 2 Stunden
ungekürztes Hörbuch



Vorne weg
Ich muss zugeben, dass ich inzwischen ein Faible für Jojo Moyes habe -auch wenn sie "nur" Unterhaltungsliteratur schreibt. Wobei man ihr damit eigentlich nicht gerecht wird, denn sie wagt sich durchaus an schwierige Themen heran, wie Ein ganzes halbes Jahr zeigt. Ich mag ihre Art zu erzählen, auch wenn die ein oder andere Geschichte vorhersehbar ist. Inzwischen kaufe ich bewusst die Hörbücher, da mir die Stimme von Luise Helm so gut gefällt. Wer also Lust auf eine schöne Erzählung hat und sich entspannen will, für den ist diese kurze Geschichte genau richtig:

Inhalt
Nell führt Listen, die das Für und Wider einer Entscheidung abwägen. Um auch einmal etwas Außergewöhnliches zu tun, bucht sie für sich und ihren Freund Pete ein Wochenende nach Paris. Als sie in London auf dem Bahnsteig steht, erscheint er jedoch nicht - aufgehalten während der Arbeit. Er schlägt ihr vor, ohne ihn loszufahren. In Paris angekommen ist auch noch das Hotelzimmer doppelt belegt und dann erfährt sie per SMS, dass Pete gar nicht mehr kommen möchte. Am liebsten würde sie sofort nach Hause zurück, doch sie entschließt sich zu bleiben und lernt am nächsten Morgen in einem Museum Fabienne kennen, dessen Romanentwurf ein Tag zuvor buchstäblich vom Dach gesegelt ist. Werden die beiden zueinander finden... ;)

Bewertung
Nach der Inhaltsangabe ist eigentlich offensichtlich, dass hier eine junge Frau und auch ein junger Mann an einer Wegkreuzung ihres Lebens stehen und die Chance haben, diesem eine neuen Richtung zu geben. Und das auch noch in der Stadt der Liebe, die Jojo Moyes gerne als Schauplatz ihre Geschichten nutzt, wie auch ihre Erzählung Die Tage in Paris zeigt.
Das Hörbuch bietet gute Unterhaltung, die mir die letzten Regentage versüßt hat. Eine Geschichte, bei der der Kopf entspannt und die Seele baumelt - nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Montag, 21. März 2016

Jojo Moyes: Über uns der Himmel, unter uns das Meer

Ein historischer Roman und eine schöne Liebesgeschichte.


Gesprochen von Luise Helm
Spieldauer: 13 Std. 53 Min. 
ungekürztes Hörbuch (Audible)
 
Vorne weg
Im Jahre 1946 wurden ca. 600 australische Frauen, verheiratet mit englischen Soldaten, auf einem Flugzeugträger quer über den Ozean nach England gebracht. Auch die Großmutter von Jojo Moyes selbst ist auf diesem Weg nach England gelangt und liefert mit ihrer Geschichte die Idee für diesen fiktiven Roman.

Inhaltsangabe
Der Roman startet im Jahr 2002. Jennifer ist mit ihrer Großmutter in Indien unterwegs, auf der Rückfahrt zum Flughafen entdecken sie zufällig einen Hafen, in dem alte Schiffe abgewrackt werden. Dort entdeckt Jennifers Großmutter den Flugzeugträger, der sie einst von Australien nach England gebracht hat. Diese Entdeckung ist Auslöser für die eigentliche Geschichte, in deren Mittelpunkt Frances sowie drei weitere Frauen stehen, exemplarisch für das Schicksal der ca. 600 australischen "Bräute".

Montag, 12. Oktober 2015

Jojo Moyes: Ein ganzes neues Leben

Fortsetzung von Ein ganzes halbes Jahr
Hörbuch

Inhalt
Zwischen Wills selbst gewähltem Tod und dem Einsetzen der Handlung des neuen Romans liegen 18 Monate. Louisa ist in ihrer Trauer gefangen und stürzt vom Dach ihrer Londoner Appartmentwohnung. Kein Selbstmord - denn die Stimme eines Mädchen hat sie erschreckt, als sie betrunken dort oben balanciert. Mit viel Glück überlebt sie den Sturz, da sie auf einen Balkon direkt in eine Luxusliege gefallen ist.
Man erfährt, dass sie direkt nach Wills Freitod seinem Wunsch entsprochen hat und nach Paris gereist ist, doch nach einem halben Jahr realisiert hat, dass Paris niemals ihre Stadt oder ihre Heimat werden wird. So reist sie quer durch Europa, um schließlich in London zu landen, wo sie in einer Flughafenbar unter einem unmöglichen Chef und in einer untragbaren Uniform arbeitet.

Mittwoch, 19. August 2015

Jojo Moyes: Ein Bild von dir




Der Roman knüpft an die Erzählung „Tage in Paris“ an, spielt allerdings mehrere Jahre nach den Flitterwochen der beiden Paare.

Inhalt
Zunächst erzählt Sophie aus der Ich-Perspektive von der Besetzung ihres Heimatortes St. Péronne durch die Deutschen im 1.Weltkrieg. Während Édouard als Soldat eingezogen wurde, kehrte sie aus Paris zurück, um ihrer Schwester Hélène im Familienhotel Le Coq Rouge zu helfen. Ein Bildnis, das Éduoard von ihr gemalt hat, Jeune Femme hängt für jeden sichtbar im Hotel und erregt die Aufmerksamkeit des neuen Kommandanten Friedrich Hencken, einem Kunstliebhaber, da es eine selbstbewusste, stolze schöne junge Frau zeigt. Sophie, die die Deutschen und die unmenschlichen Umstände der Besatzung verabscheut und ihre Meinung dazu recht offen kund tut, wird gezwungen für die deutschen Soldaten zu kochen. Dabei wird deutlich, dass das restliche Dorf sie und ihre Schwester in die Nähe von Kollaborateuren stellt, so wie sie es mit einer jungen Frau Liliane Béthune tun, deren eigentliche Tätigkeit aber erst im Nachhinein offensichtlich wird. Der Kommandant findet Gefallen an Sophie und auch sie erkennt, dass hinter dem deutschen Soldaten ein gebildeter, Kunst interessierter Mensch steht. Das Schwarz-Weiß-Denken Gut-Böse wird in der Person des Kommandanten aufgehoben und verwirrt Sophie. Um ihren Mann wiederzusehen, ist sie bereit alles zu tun, selbst das Bild herzugeben und sie trifft ein Arrangement mit dem Kommandanten.
Ihre Verhaftung beendet den 1.Teil des Romans.

Montag, 10. August 2015

Jojo Moyes: Die Tage in Paris




Inhalt
Die kurze Erzählung liefert die Vorgeschichte zum Roman "Ein Bild von dir" und schildert abwechselnd die Hochzeitreise von Liv und David Halston nach Paris im Jahre 1998 und die ersten Tage nach der Heirat von Sophie und Éduoard Lefèvre, einem Maler, 1912.
Während Livs Geschichte in der personale Perspektive und im Präsens erzählt wird, ist Sophies Geschichte aus der Ich-Perspektive und im Präteritum verfasst, es wird also jeweils die Perspektive der Frauen eingenommen.
Liv fühlt sich von ihrem frisch gebackenen Ehemann vernachlässigt, da er sich mit Geschäftspartnern - er ist Architekt - trifft, statt sich mit ihr Paris anzusehen. In Musée d´Orsay betrachtet sie ein Gemälde, das Éduoard von Sophie gemalt hat: Gattin, verstimmt.

In dem Bild glaubt sie sich selbst zu erkennen und das, was aus ihr werden wird:
"Oh Gott. Das bin ich." (S.52)

Gleichzeitig wird erzählt, wie das Bild entstanden ist. Sophie wird von einem ehemaligen Modell ihres Mannes eifersüchtig gemacht und glaubt, er werde sie in Zukunft betrügen. Daraufhin verlässt sie nach einem Streit aufgebracht die gemeinsame Wohnung und trifft auf eine Prostituierte, die ebenfalls Éduoard Modell gestanden hat und die ihr verdeutlicht, wie sehr ihr Mann sie liebe.

Während das Gemälde Liv und David wieder im Paris von 1998 vereint, führt es auch Sophie und Éduoard zusammen, während es entsteht.

Bewertung
Eine schöne, romantische, kleine Erzähung, die neugierig auf den Roman macht.

Buchdaten
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
Verlag: rororo
Erschienen am: 23. Januar 2015
ISBN: 978-3499267901
Originaltitel: Honeymoon in Paris