Samstag, 5. März 2016

Andreas Hagemann: Xerubian

- eine humorvolle Fantasygeschichte

Buchdaten
Taschenbuch: 410 Seiten
Verlag: Editia
Erschienen am: 6. Februar 2012
ISBN-10: 3943450023
ISBN-13: 978-3943450026

Vorne weg
Ein lustiger Fantasyroman - das ist normalerweise kein Genre, das ich lese. Ich habe mich trotzdem im Rahmen einer Leserunde mit Autorenbegleitung auf whatchareadin darauf eingelassen und es nicht bereut.



Inhalt
Der Roman startet mit einen ungewöhnlichen Prolog: Gott - etwas rundlich um die Hüften - spielt Billard und dabei unterläuft ihm ein Fehler: Durch einen kleinen "Schubser" gerät alles aus den Fugen und die Welten und Galaxien, die in den Kugeln beheimatet sind, werden durcheinander gewirbelt.

Im Mittelpunkt des Romans steht ein leitender Beamter der Königlichen Polizeibehörde Xerubians (Xerpol), einem knallbunten Planeten mit zwei Sonnen. Sein Name ist Dalon und sein Transportmittel der faule, riesige, blaue Reisedrache Nerol, der schwäbelt. Das Leben Dalons verläuft recht trist und langweilig, wozu auch sein weiblicher "Hausdrache" beizutragen scheint - bis aus der Kathedrale der Stadt Punkt ein geheimnisvoller Stein gestohlen wird. Und zwar - wie wir im ersten Kapitel erfahren - von einem ominösen Schatten. Bei der Inspektion des Tatortes findet Dalon eine schwarze Feder und auf Nachfrage erzählt ihm der Ad-Min Istrator eine sagenhafte Geschichte:
Eine wunderschöne Stadt soll sich auf dem geheimnisumwobenen Kontinent Aath Lan´Tis befunden haben.
"Die hoch entwickelte Kultur, die diese Stadt errichtete, ist, der Sage nach, das Volk der Gro´Khan gewesen. Ein Volk, das angeblich von Drachen abstammte und aus einem anderen Teil der Galaxis hierher kam." (S.51)

Der Oberpriester dieser Stadt Mir-Kor´Pen wurde wegen einer Liebesaffäre aus der Stadt verbannt und auf den Kontinent Antarion, auf dem auch die Stadt Punkt liegt, verbannt. Er nahm jedoch jenen geheimnisvollen Stein mit, der jetzt gestohlen wurde.
Dalon entdeckt anschließend auf dem Platz vor der Kathedrale eine Steinfigur, angefertigt von September Rhodain (!): Es ist eine geflügelte Figur. So macht er sich auf, um im Drachenmuseum weitere Informationen einzuholen. Er erfährt, dass Rhodain einem geflügelten Wesen in Punkt begegnet sein soll, danach jedoch getötet wurde. Das nächste Puzzleteilchen liefert ihm der Bote Martandi Robus, der auf seiner Reise nach Punkt einem seltsamen schwarzen Wesen begegnet ist, das in einen dunklen Stoffmantel gehüllt war und Federn hatte. Gemeinsam mit Martandi und dessen Reisedrachen Dragon machen sich Dalon und Nerol auf zu jenem Ort, an der die Begegnung stattgefunden hat. Dort treffen sie auf den kleinen Kampfdrachen Muliks, der über viele spitze Zähne und einen begrenzten Wortschatz verfügt. Er berichtet Dalon von dem geflügelten Wesen, das seine Wohnung zerstört und dessen Blut bitter geschmeckt habe. Da seine beiden Frauen ihn wegen der Zerstörung wüst beschimpfen, beschließt Muliks kurzerhand sich den Reisenden anzuschließen. Parallel zu dem Schatten reisen sie gen Nordwesten, zum Küstendorf GroFi-Sh. Diesen Tipp erhält Dalon von einem weisen alten Mann: Reit Inf-O, dessen Großvater sein Leben lang nach Aath-Lant`Is gesucht hat. Eine abenteuerliche Reise mit einigen Gefahren beginnt, bis sich Dalon und der Schatten schließlich begegnen und sich herausstellt, dass nicht alles ist, wie es scheint.

Bewertung
Insgesamt steckt dieses Fantasyabenteuer voller Ideen und ungewöhnlicher Einfälle, v.a. die neu arrangierten Namen sorgen immer wieder für Aha-Effekte. Sogar die String-Theorie findet ihren Weg nach Xerubian. Allerdings hat der Roman in der Mitte (Kapitel 7 und 8) Längen, erst nach der Begegnung Dalons mit dem Schatten nimmt die Handlung dann bis zum Schluss hin deutlich an Fahrt auf und das Ende überrascht, rundet die Reise ab und stellt den Zusammenhang zum Prolog her.
Das Verhalten der beiden Reisedrachen, die für ihre Größe extrem albern und kindisch sind, hat mich zunächst amüsiert, dann jedoch zunehmend genervt - aber auch das schwächt sich zum Ende hin wieder ab.
Ich hatte auch einige Schwierigkeit mit dem schwäbischen Dialekt Nerols, aber das ist Geschmackssache - ich bin generell kein Fan von Dialekt gefärbter Sprache in Romanen - wenn dann nur wohl dosiert eingesetzt.
Sprachlich enthält der Roman einerseits ungewöhnliche Formulierungen wie "einbestrumpft", andererseits sind die Schilderungen der Gefühle bzw. Verhaltensweisen der Figuren manchmal zu ausführlich.

Insgesamt ist es ein lustiger Fantasyroman, wobei dieser Genremix für mich persönlich ungewohnt ist und es bleiben wird. So hätten es für mich durchaus weniger komische Elemente sein dürfen, da dadurch einige Szenen an Bedrohlichkeit verlieren und die Komik die Spannung herabsetzt.
Aber das hat die Diskussion auf whatchareadin deutlich gezeigt - Humor ist defnitiv Geschmackssache.

Diese Kritik am Humor und an der Sprache ist aber unabhängig von der Geschichte, die insgesamt  spannend ist und die viele überraschende Wendungen enthält.

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